Lessing, der Islam und die Toleranz
Freihandbücherei - Free Papers
Lessing, Toleranz, Islam, Juden, Christen, Silvia Horsch, Ergon Verlag, Vortrag auf dem Studientag "Toleranz – ein brauchbarer Begriff im inter- religiösen Dialog?" in der Evangelischen Akademie Arnoldshain am 28.9.04 von Frau Silvia Horsch. Sie ist 1975 in Oberwart (Österreich) geboren, in Rheinland-Pfalz aufgewachsen, nahm 1996 den Islam an und studierte Germanistik und Arabistik (FU Berlin).
  

Silvia Horsch. Sie promovierte in Arabistik, arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung und lebt mit ihrem Mann und ihrem 2007 geborenen Sohn in Berlin.
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Im Handel gibt es eine Monographie zum Thema von Silvia Horsch:

Rationalität und Toleranz.
Lessings Auseinandersetzung mit dem Islam.
Würzburg, Ergon-Verlag, 2004.
(Erschienen in der Reihe Ex oriente lux, hrsg. von Almut Sh. Bruckstein, Navid Kermani, Angelika Neuwirth und Andreas Pflitsch)
ISBN 3-89913-376-5
Im Jahr 2004, dem 275. Geburtstag Lessings, verbindet sich die Erinnerung an den Dichter und Aufklärer Lessing mit der Frage, welche Rolle Toleranz im Umgang mit der muslimischen Minderheit in Deutschland spielen soll. Die Beschäftigung eines Aufklärers mit dem Islam ist auch deshalb von Bedeutung, weil das Postulat von der fehlenden Aufklärung im Islam zentraler Bestandteil eines Diskurses ist, der durch dialektisch konstruierte Essentialisierungen eine Unvereinbarkeit "des Westens" mit "dem Islam" konstatiert - weil dieser Werte und Prinzipien, die oft als Errungenschaft der Aufklärung verstanden werden (wie Rationalität und Toleranz), vermissen lasse.
Fanatismus und Irrationalität gehören auch zum Islambild der Aufklärung - dies zeigt die Untersuchung von Lessings Quellen in dieser Studie. Dieser pejorativen Sichtweise setzt Lessing eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Islam entgegen, die sich vor dem Hintergrund virulenter philosophischer und theologischer Fragen des 18. Jahrhunderts entwickelt. Er bringt den Islam in die Diskussion über das schwierige Verhältnis von Vernunft und Offenbarung ein, indem er ihn - angelehnt an die Vorstellung der natürlichen Religion des Deismus - als vernünftige Lehre präsentiert und in kritischer Absicht mit dem Christentum kontrastiert. Auch in Lessings Beitrag zur Toleranzdebatte spielt der Islam eine wichtige Rolle. Die Forderung nach einer konstruktiven Auseinandersetzung mit dem Islam resultiert aus Lessings diskursivem Toleranzbegriff, welcher in seinem Wahrheitsverständnis wurzelt: Wahrheit ist ein prozessuales Phänomen, das sich nur in einem Diskurs entwickeln kann, aus dem niemand ausgeschlossen wird - auch nicht der Islam. Dass er diese Forderung selbst umsetzt, dokumentiert die produktive Rezeption islamischer Theologie und Geschichte im Nathan.
Die Studie schließt mit der Frage nach der Bedeutung von Lessings Toleranzbegriff für die aktuelle Diskussion über den Umgang mit muslimischen Minderheiten in europäischen Gesellschaften.

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Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 29. Mai 2008 )