Göttinger Gutenberg-Bibel digital
Freihandbücherei - Freie Retrodigitalisate
Bibel, Buchdruck, Die 1.282-seitige Gutenberg-Bibel der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist eine von vier komplett erhaltenen Pergamentexemplaren und ohne Seitenverlust. Die Ausgabe ist in die UNESCO-Liste "Memory of the World" aufgenommen und vollständig digitalisiert im Web.


Erfindung. Die Bedeutung Gutenbergs für die Entwicklung des Buchdrucks liegt vor allem in der systematischen Benutzung diverser, damals bereits bekannter Reproduktions- und Druckverfahren (dem Arbeiten mit Holzblöcken, Modeln und Druckplatten oder Stempeln). Ebenso waren ihm wohl seine Experimente im Gießen der Wallfahrtsspiegel für die Entwicklung einer Legierung sowie eines Handgießinstrumentes für Metall-Lettern nützlich, mit deren Hilfe er bis zum Jahr 1453 nach einer Vulgata-Vorlage die 42-zeilige, so genannte Gutenberg-Bibel druckte. Schon 1445 erfahren wir, dass auf dem Reichstag in Frankfurt am Main Seiten einer gedruckten Bibel gezeigt wurden, aber keine Subskription mehr möglich war, weil alle Exemplare bereits bestellt waren. Im Jahre 1454 wurde in Frankfurt die 42-zeilige Bibel, das erste gedruckte Buch, verkauft und war sofort vergriffen.

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Göttinger Gutenberg-Bibel. Die 42-zeilige Gutenberg-Bibel wurde ein Meisterwerk der Druckkunst. Auf die künstlerische Gestaltung legte Gutenberg besondere Sorgfalt, denn damals hatten die Schriftschreiber ihre Initialbuchstaben aufwendig und kunstvoll verziert. Für alle gängigen Abkürzungen die die Schriftschreiber damals verwendeten, stellte Gutenberg Lettern her. Er kam so auf einen Zeichensatz von 290 verschiedenen Lettern. Diese gaben ihm die Möglichkeit die Zeilen optimal auszugleichen, so daß ein völlig ausgeglichenes Schriftbild entstand. Alle Zeilen wirkten gleich lang und im Zusammenspiel mit den kunstvoll farbig verzierten Initialbuchstaben entstand ein Kunstwerk.

Aber auch die neuartige Drucktechnik kostete noch Zeit. Die Papier- und die Pergamentexemplare der 42-zeiligen Bibel waren nach dreijähriger Setz- und Druckarbeit noch nicht fertig. Mit Vorbedacht und Akribie war an vielen Stellen der zwei Kolumnen je Seite mehr oder weniger Platz gelassen worden, um durch das Einfügen kleiner und großer farbiger oder prächtig illuminierter Initialen die Gliederung des Textes deutlich sichtbar zu machen. Diese Aufgabe wurde in Handarbeit von Rubrikatoren und Illuminatoren vorgenommen. Das Göttinger Exemplar wurde in einer Werkstatt, die sich in Mainz oder in der Umgebung befand, ausgemalt. In diesem Umfeld ist auch ein Musterbuch geschrieben worden, das für die Herstellung der Farben und die Technik der Ausmalung genauere Anweisungen gibt. Das wertvolle Pergamentexemplar der Bibel fand über einige Stationen (darunter Wolfenbüttel und Helmstedt) 1812 seinen Weg nach Göttingen, während das Musterbuch aus dem Vermächtnis des Frankfurter Stadtbaumeisters Johann Friedrich Armand von Uffenbach bereits 1770 in die Bibliothek gelangte.

Memory of the World. In die Liste Memory of the World wurde gleichzeitig mit dieser 42-zeiligen Bibel auch ein koreanisches Dokument gelistet: Das Buch "Buljo jikji simche yojeol". Es enthält die zentralen Weisheiten des Zen-Buddhismus.Gutenbergs Erfindung steht jedoch nicht für sich allein. Früher als in Europa wurde die Technik des Druckes mit beweglichen Lettern aus Holz, Ton und Metall in Asien, vor allem in Korea und China, entwickelt. In das UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes "Memory of the World" wurde daher gleichzeitig mit der 42-zeiligen Göttinger Gutenberg-Bibel auch ein koreanisches Dokument aufgenommen: Das Buch Buljo jikji simche yojeol befindet sich in der Französischen Nationalbibliothek in Paris und enthält die zentralen Weisheiten des Zen-Buddhismus. Der Priester Baegun traf in der späten Koryeo-Epoche diese sorgfältige Auswahl der Lehren vieler Buddhas und Hohepriester. Er hatte das Ziel, dass jeder Mensch mithilfe dieses Buches zum Kern der Zen-Philosophie vordringen können sollte. Das Buch bestand ursprünglich aus zwei Bänden (der erste ist verschollen) und wurde 1377, viele Jahre vor Gutenbergs Bibel, im Heungdeok-sa-Tempel mit beweglichen Metalltypen gedruckt. Zwar werden in alten koreanischen Büchern noch frühere Druckverfahren mit beweglichen Metalltypen erwähnt, doch dieses Buch ist das älteste erhaltene Exemplar, das mit einer solchen Technik hergestellt wurde.


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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 12. April 2009 )