Komponisten-Widerstand gegen Brüssel
Robin Gibb, Bee Gees, Karl Ferdinand Gutzkow, Deutscher Komponistenverband, CISAC, ECSA, The European Composer & Songwriter AllianceEuropäische Singer und Songwriter laufen Sturm gegen die Absicht der Europäischen Kommission, die Systeme der Lizenzgebühren für Musik zu vereinheitlichen. Die Standardisierung von Musiklizenzen würde die Musiker schwer belasten, kritisiert etwa Robin Gibb, Sänger, Komponist und Texter der Bee Gees.
  
Robin Gibb. Benny Anderson, Charles Aznavour, Pedro Almodovar, James Blunt, Miguel Bose, Patrick Doyle, Bryan Ferry, Robin Gibb, David Gilmour, Julio Iglesias, Maurice Jarré, Marc Knopfler, Michel Legrand, Paco de Lucia, Sir Paul McCartney, Ennio Morricone, Krysztof Penderecki, Nicoal Piovani, Sade, Alejandro Sanz, Caetano Veloso, Gabriel Yared, u.a. gehören zu den zahlreichen KomponistInnen, die Anfang Juni 2008 den Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso um eine Anhörung baten, um ihrer ernste Sorge über eine geplante EU-Entscheidung Ausdruck zu verleihen, die der kulturellen Vielfalt und einem lebendigen, kreativen Musikschaffen in Europa entgegen stehen könnte: es geht um die zukünftige Regelung europaweiter Lizenzierung von Musik! Die Musiker befürchten, dass europaweit vereinheitlichte Lizenzabgaben Online-Musikläden die Möglichkeit böten, flächendeckende Rabatte auszuhandeln und damit die Einnahmen der Künstler empfindlich zu schmälern.
:::Freiklick:::>   ECSA The European Composer & Songwriter Alliance
Karl Ferdinand Gutzkow. Die Auseinandersetzung erinnert an das Engagement des Schriftstellers Karl Ferdinand Gutzkow gegen die Preisherabsetzungen im Buchhandel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, welche lediglich den Sinn hatten, die Autoren zu schädigen. Umgekehrt aber würde es Online-Läden eine Vereinheitlichung ermöglichen, den europäischen Markt überhaupt erst zu bedienen. Zur Zeit werden viele von ihnen davon von der Komplexität und Vielfalt der Abagbensysteme noch abgeschreckt.
:::Freiklick:::>  21. März 1838
Mit Buchpreisbindung und Urheberrecht würde man das überschreiben können, was in der "Staats und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheiischen Correspondenten" vom 21.März 1838 im Untertitel als "Gutzkow und die Gutzkowgraphie" behandelt wird. Anlass: Eine auch heute sittenlose "PR" oder "Lobbyismus" Praxis.

Die Europäische Musikkomponisten warnen: Die Standardisierung von Musiklizenzen würde die Musiker schwer belasten, kritisiert etwa Robin Gibb, Sänger, Komponist und Texter der Bee Gees. Gemeinsam mit dem Verband der Europäischen Komponisten und Songwriter (ESCA) befürchtet Gibb, dass eine derartige Regelung die Einnahmen durch Tantiemen drastisch senken würde. Die EU prüft bereits seit längerer Zeit den Weiterverkauf von Lizenzen und tritt für ein "kollektives Musikrechte-Management" ein. Eine Umsetzung dieses Vorhabens würde für große Musik-Anbieter wie Apple und seinen iTunes-Store wesentliche Vorteile bringen. Diese hätten so etwa die Möglichkeit, einen einzigen Shop für ganz Europa anzubieten, anstatt für jedes Land eigene Lizenzvereinbarungen abschließen zu müssen. "Wir glauben, dass die Strategie der Kommissionspolitik zu einem dauerhaften Schaden für uns alle in Europa - sowohl kulturell, sozial als auch ökonomisch - führen wird", heißt es in einem Statement der ESCA. Hunderte und tausende Existenzen von Urhebern und kleinen und mittleren Verlegern würden dadurch auf dem Spiel stehen.
:::Freiklick:::>  Deutscher Komponistenverband
Deutscher Komponistenverband. "Der gegenwärtige Vorstoß der EU-Kommission stellt eine existenzielle Bedrohung für das System der Verwertungsgesellschaften dar, dass sich bisher über Jahrzehnte bewährt hat", erklärt auch Jörg Evers, Präsident des Deutschen Komponistenverbandes , auf Anfrage von pressetext. Schon allein die unkoordinierte Handelspraxis der unterschiedlichen EU-Gremien in dieser Frage sei äußerst kritikwürdig. "Die einzelnen Kommissionen sollten mehr untereinander kommunizieren, damit eine derart unkoordinierte Vorgehensweise unterbunden wird", kritisiert Evers. Ob der aktuelle Protest der ESCA in Brüssel ausreichend Gehör finden werde, sei allerdings fraglich. "Die Erfahrungen aus der Vergangenheit haben uns gelehrt, dass man keine allzu großen Hoffnungen auf ein Umlenken haben sollte", meint Evers.
:::Freiklick:::>   Europäische Kommission stellt Misstrauensantrag gegen CISAC
CISAC-Fall. Hintergrund der Aufregung ist die Erwägung der Europäischen Kommission, eine Entscheidung im so genannten "CISAC-Fall" herbeizuführen. Dahinter verbirgt sich eine Beschwerdeklage gegen europäische Verwertungsgesellschaften, denen multinationale Rechtenutzer wie etwa global agierende Medienkonzerne eine wettbewerbsrechtliche Verletzung bei der multi-territorialen Lizenzierung von Musikrechten in den Bereichen Online, Satellit und Kabel vorwerfen.