Ablehnung von Studiengebühren gestiegen
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Ablehnung von Studiengebühren gestiegenEin Stehsatz, denn man auch hierzulande kennt: Sind Studiengebühren erst einmal eingeführt, würden sich mit dem eingenommenen Geld schnell die Studienbedingungen verbessern. Für Deutschland ist jedoch durch eine aktuelle Studie ("Gebührenkompass") das Gegenteil offenbar. Für Österreich dürfte die Situation kaum anders sein.
  

Doch bleiben wir bei Deutschland: Die Studie "Gebührenkompass 2008" wird vom Lehrstuhl für Marketing an der Uni Hohenheim mit Unterstützung der GfK und der LBBW-Stiftung durchgeführt. Der Lehrstuhl-Inhaber Prof. Voeth ist selbst klar für Studiengebühren und sieht vor allem das Problem, die Verwendung der Studiengebühren sei nicht transparent genug.

Die Ergebnisse der Studie sind für Gebührenbefürworter alarmierend: Die Ablehnung von Studiengebühren ist trotz steigender Bemühungen um Transparenz (und seien es Aufkleber "Finanziert durch Studiengebühren") gestiegen. 63% der Studierenden erklärten dieses Jahr, gegen Studiengebühren zu sein, letztes Jahr waren es 3% weniger. Dabei ist noch zu beachten, dass nur Studierende an Hochschulen mit Gebühren befragt wurden. Würden alle Studierende (auch an Hochschulen ohne Gebühren befragt), dürfte die Ablehnung noch höher sein.

Beste Gesamtnote: 3,75. Wie gering die Zufriedenheit mit der Verwendung der Studiengebühren ist, zeigt der Durchschnittswert: 4,55 (vergeben werden konnten Schulnoten zwischen 1 und 6). Selbst an der "besten" Hochschule, der Universität Bayreuth, wird nur eine "gute vier" erreicht: 3,75. Die schlechtesten Werte einzelner Hochschulen gehen bis 5,37.

Bei der Unzufriedenheit gibt es ein leichtes Nord-Süd-Gefälle. In Bayern erreichen die Hochschulen im Schnitt die Note 4,27, in Baden-Württemberg 4,43, also jeweils noch eine Vier. In den Bundesländern weiter im Norden werden noch schlechtere Noten vergeben, am Ende liegen Hamburg und Nordrhein-Westfalen mit jeweils 4,76.

Studierende für Abschaffung der Studiengebühren. Da selbst die nicht explizit gegen Studiengebühren eingestellten Studierenden offenbar nur wenig positive Auswirkungen der Gebühren sehen, ist die Forderung nach Abschaffung der Studiengebühren noch höher: 70% der befragten Studierenden unterstützen diese Ansicht. In Hessen sind es sogar 84,8%.

Ein weiterer Faktor für diese deutliche Forderung dürfte auch darin liegen, dass nur 15,1% glauben, dass die Bundesländer ihre Basisfinanzierung für die Hochschulen auf gleicher Höhe halten werden. Will sagen, die Studierenden glauben mit überwältigender Mehrheit, dass sie mit den Studiengebühren den Ländern die Möglichkeit geben, sich etwas aus der Hochschulfinanzierung zurück zu ziehen.

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Bei all den Diskussionen um die Transparenz und Effizienz der Verwendung der Einnahmen aus Studiengebühren sollte man jedoch nicht vergessen, dass es hier nur um einen kleinen Teil des Geldes geht, das Hochschulen zur Verfügung steht. Wenn nur dieser "gut" verwendet wird, der Rest aber nicht, hat man nichts gewonnen.

Nicht weiter verwunderlich ist daher, dass der – traditionell gegen Studiengebühren eingestellte – studentische Dachverband fzs in einer Presseerklärung äußert: "Studiengebühren sind endgültig gescheitert!" Und damit die Forderung nach Abschaffung der Studiengebühren verbindet. "Studiengebühren sind nicht nur sozial selektiv. Auch das von den Ländern intendierte Ziel der Verbesserung der Lehre konnte nicht erreicht werden", kommentiert Imke Buß vom Vorstand des fzs. "Die Länder müssen das Votum der Studierenden ernst nehmen. Eine gescheiterte Politik darf nicht weitergeführt werden", ergänzt Florian Hillebrand, ebenfalls Mitglied im Vorstand des fzs.


Letzte Aktualisierung ( Freitag, 27. Juni 2008 )