Crowdsourcing aktuell: Wikipedia will "Müllproblem" lösen
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Crowdsourcing, Open up, Open Access, Wikipedia, Die deutschsprachige Wikipedia experimentiert seit gestern mit einer neuen Funktion, mit der die Qualität gesteigert werden soll. Das Crowdsourcing-Projekt ermöglicht noch jedem User mit nur einem Klick zum Autor zu werden und direkt an der Gestaltung der freien Online-Enzyklopädie mitzuwirken. Das bringt auch "Müllprobleme".
  

Gesichtete und geprüfte Version. Das Konzept der gesichteten und geprüften Versionen folgt nun der Tatsache, dass Crowdsourcing auch enorm viel Ausschuss produziert und im Falle von Wikipedia auch tentdenziell missbraucht werden kann.  Gar nicht so selten hat man bei Wikpedia-Artikeln den Beigeschmack, dass hier einfach ungeprüft Vorurteile, Meinungen und Halten weitergegeben werden. Dadurch erleidet Wikipedia gegenüber redaktionell betreuten Nachschlagewerken einen enormen Vertrauensnachteil und reduziert es in wissenschaftlichen Kreisen zu einem "Kinderspiel". Wie Wikipedia nun diesen Spagat und diese Klammer schafft, ist ein interessantes Projekt für alle anderen Crowdsourcing-Projekte auch. Man darf mehr als nur gespannt  sein.
:::Freiklick:::>  Wikipedia- Hilfe:Gesichtete und geprüfte Versionen

Crowdsourcing - Faustregeln:

Die Aufgabe muss remote erledigt werden können, denn die „Crowd“ ist verteilt über die ganze Welt
Die Crowd hat eine kurze Aufmerksamkeits-Spanne: Aufgaben sollten so aufgeteilt sein, dass sie pro Person max. 30 Minuten in Anspruch nehmen.
Die Crowd produziert enorm viel Ausschuss: Die grosse Menge an Input verbessert nicht automatisch die Qualität des Inputs! Das Konzept für die Filterung der wertvollen Inputs aus der Crowd muss gut durchdacht sein!
Die Crowd findet die beste Lösung meistens selbst (wikipedia, amazon, youtube)
Nutze die Crowd niemals aus, sei ehrlich und fair. Gib denen Anerkennung und Auszeichnung denen die Ehre gebührt.


Zensur versus Qualitätsmanagement. Das Projekt sieht vor, dass in der Standardansicht nur noch Inhalte dargestellt werden, die von einem erfahrenen Wikipedia-Autoren als frei von Verunstaltungen gekennzeichnet wurden. Die Wikipedia zeichnet sich dadurch aus, dass jeder Leser mit nur einem Klick zum Autor werden kann, um direkt an der Gestaltung der freien Online-Enzyklopädie mitzuwirken. Nur so war das rasante qualitative und quantitative Wachstum möglich. Diese absolute Offenheit bringt es jedoch mit sich, dass auch unsinnige, inhaltlich verzerrte oder mutwillig tendenziöse Beiträge möglich sind. Mit der nun bereitgestellten neuen Funktionalität sollen die Auswirkungen solcher Beiträge spürbar reduziert werden, da dem Leser bevorzugt gesichtete Versionen angezeigt werden.
:::Freiklick:::>  Free Paper: Präsentation Crowdsourcing, pdf., 6,5 MB
Experiment. Das gestern offiziell begonnene Experiment konzentriert sich zunächst auf die “gesichteten Versionen”. Hier findet eine oberflächliche Kontrolle statt, mit der hauptsächlich einfacher Vandalismus verhindert werden kann. Später sollen dann auch inhaltliche Prüfungen stattfinden, mit denen die Richtigkeit der im Artikel enthaltenen Angaben durch einen Experten bestätigt wird. Gleichzeitig können die Artikel aber weiterhin von jedem bearbeitet werden, dieses Grundprinzip der Wikipedia wird mit dem neuen System also nicht in Frage gestellt. “Die Umsetzung des Konzepts der gesichteten und geprüften Versionen stellt einen bedeutenden Schritt für das Wikipedia-Projekt dar. Er ist die Konsequenz aus der in den letzten Jahren stattgefundenen Umorientierung in der Autorengemeinschaft - weg von der schieren Masse an Artikeln, hin zu mehr Qualität und Verlässlichkeit für unsere Leser”, erklärt Philipp Birken vom Vorstand des Vereins Wikimedia Deutschland und Projektverantwortlicher.
:::Freiklick:::>   Crowdsourcing: Beispiel Bibliothek des US-Kongresses (Library of Congress LOC)
“Die Einführung der gesichteten und geprüften Versionen ermöglicht es uns, die Qualität der Wikipedia-Inhalte weiter zu steigern - unter Beibehaltung der Transparenz und Offenheit des Projektes”, ergänzt Vorstandsmitglied Tim Bartel. Er hofft, “dass sich das Konzept in der Praxis bewährt. Jetzt ist zunächst einmal die Community am Zug, die neuen Funktionen auszuprobieren.” Die neue Funktionalität wurde zunächst nur für die deutschsprachige Wikipedia freigeschaltet. Auf Grundlage der hier gesammelten Erfahrungen soll dann über die Einführung in anderen Sprachausgaben entschieden werden. Die Entwicklung der gesichteten und geprüften Versionen ist ein Gemeinschaftsprojekt von Wikimedia Deutschland, Wikimédia France und der in San Francisco ansässigen Wikimedia Foundation. Das Konzept wurde 2006 zum ersten Mal vorgestellt und unter Federführung des deutschen Vereins fertiggestellt. Das Grundgerüst des Codes wurde vom freien Entwickler Jörg Baach erstellt, nach dieser Anfangsphase wurde die Arbeit von Aaron Schultz, einem der engagierten freiwilligen MediaWiki-Entwickler, weitergeführt.
 
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 7. Mai 2008 )