Free Movie: Sergej Eisenstein "Panzerkreuzer Potemkin"
Freiblick - Free Movies
Sergej Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin", Sergej Eisenstein, Panzerkreuzer Potemkin, Stummfilm, Russland, Sowjetunion, Revolution, Am 29. April 1926 wird im Apollo-Kino in Berlin  uraufgeführt. In Vorarlberg lässt der spätere Kurzzeit-Bundeskanzler und Vorarlberger Landeshauptmann Otto Ender trotz gesetzlichen Verbots der Zensur 1926 die Vorführung des Films untersagen. Die junge österreichische Erste Republik kannte eigentlich seit 1918 keine Zensur mehr.
  

Zensurgeschichte. In Österreich gab es in Vergleich zu Deutschland weit weniger Aufsehen um den "Panzerkreuzer". In Wien wurde der Film zwar mit einem Jugendverbot belegt, er konnte aber sonst ohne weitere Einschränkung vorgeführt werden. Anders im Bundesland Vorarlberg, das unter derselben Verfassung lebte. Die Vorführung des Films wurde vom Landeshauptmann wegen "subversiver Tendenzen" untersagt. Otto Ender wird der Nachwelt gerne als ein Föderalist und Demokrat verkauft. Aber allein die Schaffung der austrofaschistischen 1934-er Verfassung durch Ender, welche die Beseitigung der Demokratie in Österreich und die austrofaschistische Terrorherrschaft legitimieren sollte, belegt das Gegenteil. Dafür wurde er übrigens von Dollfuß mit dem in jeder Diktatur arbeitslosen Posten des Rechnungshofpräsidenten entlohnt.
:::Freiklick:::>    Free Movie:  Panzerkreuzer Potemkin 
Die junge österreichische Erste Republik kannte 1926 keine Zensur mehr. In Österreich galt seit dem 30. Oktober 1918 jegliche Zensur als aufgehoben. Dieser Beschluss wurde 1920 ausdrücklich in die Bundesverfassung übernommen. Trotzdem setzte sich der Vorarlberger Landeshauptmann und Heimwehrführer Otto Ender über die demokratischste Verfassung, die Österreich bis dahin hatte, einfach hinweg und untersagte die Vorführung des Films. Er scherte sich schon damals - ein ausgebildeter Jurist - einen Dreck um Recht und die Verfassung.
:::Freiklick:::>    Dr. Otto Ender        
Freilich erging es dem Film bei der Uraufführung in Berlin kaum besser. Deutschland hatte zwar nicht die generelle Zensur aufgehoben, aber wegen einer politischen Tendenz durfte kein Film untersagt werden. Der Angelpunkt war dann "die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung". Obwohl im Berliner Börsencourier Herbert Ihering den Film als "zweites Nibelungenlied" feierte, wurde die Vorführung des Films Ende März 1926 verboten. Doch bereits zwei Wochen später musste das Verbot nach einem Revisionsverfahren revidiert werden. Der Film wurde damit vorerst nur mit einem Jugendverbot belegt und verstümmelt wieder freigegeben. Der Reichswehrminister verbot den Soldaten den Besuch der Vorstellung. Die Oberprüfstelle stellte allerdings später auf neuerlichen Antrag einiger Bundesländer fest, dass sich seit Zulassung des Films am 10. April 1926 keine Störungen der öffentlichen Ordnung ergeben haben, daher ein Verbot wegen Ordnungsgefährdung nicht anerkannt werden kann. Allerdings sei der Film geeignet, die Unterhöhlung des Autoritätsprinzips in Heer und Marine voranzutreiben und damit den Bestand des Staates zu gefährden. Somit wurde dem Film am 12. Juli 1926, diesmal wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, die Vorführung untersagt.
Unmittelbar nach dieser Entscheidung wurde eine gekürzte Form des "Panzerkreuzers" von der Film-Oberprüfstelle neuerlich freigegeben, diesmal auch zur Vorführung vor Jugendlichen. Mit den wieder einsetzenden Interventionen der zuvor genannten Länder erreichte man diesmal aber nur ein Jugendverbot für den Film. Man versuchte es nun mit Polizeimaßnahmen: So wies man die Polizeibehörden mit direkter Bezugnahme auf Panzerkreuzer Potemkin an, alle erforderlichen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu treffen und hielt sie an, im gegebenen Fall die betroffenen Lichtspieltheater vorübergehend zu schließen. Kinobetreiber, die vorhatten den Film zu zeigen, wurden über die möglichen Folgen informiert und ganz offensichtlich unter Druck gesetzt. Zu einem endgültigen Verbot des Filmes in Deutschland kam es erst nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933.
:::Freiklick:::>    Eisenstein; Pudowkin; Alexandrow: "Manifest zum Tonfilm"
Dass der Film überhaupt in österreichischen und deutschen Kinos spielen konnte, war einer Wiener Vertriebsfirma zu verdanken, der "Prometheus-Film". Sie war die Vertriebszentrale des proletarischen Filmschaffens, deren "graue Eminenz" die Internationale Arbeiterhilfe war. Diese war ursprünglich 1921 geschaffen worden, um die von Hunger und Not betroffene russische Bevölkerung durch international aufgebrachte Hilfsmittel zu unterstützen. Als im Juli 1924 die Prometheus - Filmgesellschaft Kliwar & Co. in der Wiener Albertgasse 24 ihren Geschäftsbetrieb aufnahm, sprach für diese Standortentscheidung auch eine, verglichen mit der Weimarer Republik, weniger rigide staatliche Überwachung und Verfolgung des linken politischen Spektrums. Seit Anfang 1926 galt das bereits für zahlreiche ausländische Filmexportländer wirksame Kontingentsystem Deutschlands - zum Schutze der einheimischen Produktion - auch für die Filme aus der jungen Sowjetunion. Zwischen Österreich und dem Deutschen Reich hingegen galten derartige Einfuhrbeschränkungen nicht, denn letztlich bildeten beide Länder sowohl für Arbeitsnehmer und Arbeitgeber als auch das Anlage suchende Kapital – wie in der Vorkriegszeit – einen Binnenmarkt. Panzerkreuzer Potemkin wurde für die Prometheus ein Kassenschlager.
:::Freiklick:::>    Sergej M. Eisenstein - Deutsches Filminstitut 
Faszination. Der Film "Panzerkreuzer Potemkin", Eisensteins berühmtester Film, wurde 1925 hergestellt - zum 20. Jahrestag der Meuterei auf dem zaristischen Kriegsschiff vor dem Hafen von Odessa 1905 - und nach den klassischen Prinzipien der Tragödie in fünf Akte gegliedert. Eine bis dahin unbekannte Rhythmik und Dynamik des Schnitts macht den Revolutionsfilm zu einem besonders eindringlichen Werk, das die Herrschenden und Beherrschten polemisch kontrastiert und den Zuschauer über den Weg der Emotionen zu politischen Erkenntnissen führen will.
:::Freiklick:::>    Die Goebbels-Rede im Kaiserhof am 28.3.1933
Die Faszination, die von dem Film ausging, beschreibt am besten die schizophrene Haltung des NS-Propagandaministers Goebbels zu dem Film: Einerseits ließ er den Film verbieten, andererseits war er ein euphorischer Bewunderer der eisensteinschen Filmkunst. Ja, er verlangte von seinen Regisseuren, ihm einen "deutschen Potemkin" zu drehen. Acht Wochen nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler erklärt Goebbels im Berliner Hotel Kaiserhof vor den verdutzten deutschen Filmschaffenden, denen er den Film vorführen lässt: "...Einige Filme haben einen unauslöschlichen Eindruck auf mich gemacht. Zunächst "Panzerkreuzer Potemkin". Er ist fabelhaft gemacht, er bedeutet eine filmische Kunst ohnegleichen. ..." Man beachte: Er nennt diesen Film neben drei anderen zuerst und mit dem XXXL-Superlativ "Kunst ohnegleichen". Er begründet dann das Verbot damit, dass dieser so gut gemachte Film Deutsche, die weltanschaulich nicht genügend gefestigt sind, zu Bolschewisten werden könnten. Eine Sorge, die er wohl mit dem seinerzeitigen Vorarlberger Landeshauptmann Otto Ender teilte.
:::Freiklick:::>    Panzerkreuzer Potemkin 
Die Filmhandlung. Der Morgen des 27. Juni 1905 stellt den Beginn der Revolte der Soldaten der "Potemkin" dar. Diese richtet sich gegen die menschenunwürdige Behandlung, die ihnen die vorgesetzten Offiziere zukommen lassen. Der Versuch, die Soldaten zu zwingen, verdorbenes Fleisch zu essen, löst schließlich die offene Meuterei aus. Der Kommandant und seine Offiziere reagieren, indem sie den Befehl erteilen, die Meuterer zu erschießen. Aber das Exekutionskommando weigert sich, den Befehl auszuführen, worauf ein brutaler und erbitterter Kampf zwischen der meuternden Besatzung und dem Führungsstab des Schiffes losbricht. Aufgrund zahlenmäßiger und auch waffentechnischer (denn die Meuterer konnten die Waffenkammer in ihre Hand bekommen) Überlegenheit gewinnt die Besatzung den Kampf; die Offiziere werden über Bord geworfen.

Die Meuterer, oder dem Zeitgeist entsprechender: die Revolutionäre müssen jedoch den Verlust ihres Anführers Wakulintschuk hinnehmen; er wurde meuchlings von einem Offizier ermordet. Seine Leiche wird von den Kameraden nach Odessa gebracht und dort auf der Mole aufgebahrt. Die Nachricht von der Meuterei verbreitet sich unter der Einwohnerschaft von Odessa gleich einem Lauffeuer; die revolutionäre Aktion findet auf dem Nährboden der Unzufriedenheit der Bevölkerung über die Niederlage gegen Japan eine euphorische Sympathie für die Sache der Matrosen. Die Menschen strömen in den Hafen von Odessa, um vor der Leiche Wakulintschuks zu demonstrieren, um die Besatzung der "Potemkin" mit Lebensmittel zu versorgen, oder einfach nur, um jenen durch die bloße Anwesenheit Unterstützung zu gewähren und die gemeinsamen revolutionäre Ziele zu bekennen. Sie versammeln sich auf der monumentalen Hafentreppe, die direkt zum Meer hinunter führt.

Diese Treppe wird Schauplatz des grausamen Gegenschlags des Zaren-Regimes: Zaristische Kosaken feuern vom Kopf der Treppe hinabschreitend Gewehrschüsse in die Menge unterhalb. Ein mörderisches Gemetzel beginnt, welches Eisenstein in der ganzen Grausamkeit im Film über eine Zeit von sechs Minuten beschreibt. Zwar erreichen die Matrosen der "Potemkin" durch ein paar Salven aus den Bordkanonen des Schiffes ein vorläufiges Ende des Massakers. Aber da wird die "Potemkin" selbst schon durch die von Sewastopol herannahende Schwarzmeerflotte bedroht.

"Georg der Eroberer", eines der Schiffe aus dem zur Züchtigung des Rebellenschiffes losgesandten Einheiten, schließt so nahe an den Panzerkreuzer "Potemkin" auf, dass die beiden Schiffe Bord an Bord aneinander vorbei driften. Allerdings wird vom anderen Schiff keine einzige Kanone abgefeuert . Im Gegenteil: die Besatzung des Panzerkreuzers "Georg der Eroberer" jubelt den Matrosen des Panzerkreuzers "Potemkin" begeistert zu, kurz darauf schließt sich das Schiff dem Rebellenschiff sogar an. Die "Potemkin" entkommt der Flotte und fährt nach Constanza.
:::Freiklick:::>    Sergej Eisenstein - Wer sind Sie eigentlich, Genosse?
Sergej Michailovich Eisenstein. Sergej Eisenstein wurde 1898 in Riga (Lettland) geboren. 1918 freiwilliger Eintritt in die Rote Armee als Techniker für militärische Bauten; 1919 Arbeit in Armeeklubs in Woshega, Dwinsk, Cholm, Welikije Luki als Regisseur, Schauspieler und Ausstatter; intensive Beschäftigung mit dem Theater, Erarbeitung von Skizzen und Bühnenbildern; 1920 In Polozk, Mogiljow, Smolensk. Beschäftigung mit der japanischen Sprache, entdeckt dabei für sich das Kabuki-Theater; 1921 Ernennung zum Mitglied des Theaterkollegiums beim Proletkult. 1924 Wechsel zur Moskauer Abteilung des Produktions- und Vertriebsstudios SEVSAPKINO; 1925 Premiere von "Streik" in Moskau und Beginn der Arbeit am Film
"Das Jahr 1905"; Präzisierung des Projekts "Panzerkreuzer Potjomkin"; Premiere "Panzerkreuzer Potjomkin" im Bolschoi-Theater zur Feier des 20. Jahrestages der Revolution von 1905; 1926 Premiere von "Oktober"; 1928 Beginn der Lehrtätigkeit am GTK (Staatliches Filmtechnikum) und Tonfilm-Manifest.

1930 Einladung nach Hollywood und Begegnung mit Chaplin, Sinclair, Dreiser und Disney. Herstellung eines Films über Mexiko; 1932 Abbruch der Dreharbeiten. Rückkehr über die USA und Westeuropa nach Moskau; 1933 Regievertrag im Moskauer Filmstudio SOJUZKINO; 1937 Ernennung zum Professor am GIK. Abbruch der Dreharbeiten zu "Beshinwiese" und Vernichtung des Negativs auf Weisung der Hauptverwaltung Film. Arbeit mit P. Pawlenko am Szenarium "Rus" (später "Alexander Newski"). Arbeit am Buchprojekt "Montage"; 1939 Leninorden. Verleihung des Titels "Doktor der Kunstwissenschaften"; 1940 Arbeit am Szenarium "Iwan der Schreckliche". Berufung zum Künstlerischen Leiter des Mosfilmstudios; 1945 Premiere des ersten Teils von "Iwan der Schreckliche" in Moskau. Arbeit am zweiten Teil; 1946 Stalinpreis für den ersten Teil von "Iwan der Schreckliche". Auf Beschluss des ZK der KPdSU wird der zweite Teil nicht aufgeführt; 1947 Berufung zum Leiter des Sektors Film im Institut für Kunstgeschichte bei der Akademie der Wissenschaften der UdSSR.

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 29. April 2008 )