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4. März 1840 PDF Drucken E-Mail
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Andreas von Ettingshausen, Fotografie, Daguerreotypie, Clematis, Mikroskop, Siebenmeilenschritte einer neuen Technologie: Schon am 4. März 1840 "fotografierte" der Physiker und Mathematiker Andreas von Ettingshausen unter Zuhilfenahme eines Mikroskops den Querschnitt eines Stängels einer Clematis. 2004 ersteigerte die Albertina die älteste Mikro-Daguerreotypie bei Christie's um 180.000 €.
  

Älteste Mikro-Daguerreotypie. Im Rahmen einer Fotografie-Auktion bei Christie's in London am 19. Mai 2004 kam die älteste Mikro-Daguerreotypie der Welt unter den Hammer. Geschätzt auf 90.000 bis 120.000 Pfund erreichte das seltene Stück eine Taxe von 139.650 Pfund (brutto), ersteigert durch die Albertina in Wien. Damit besitzt die Albertina die beiden ältesten Daguerreotypien Österreichs, die neu erworbene ist zugleich die älteste wissenschaftliche Daguerreotypie, die sich erhalten hat. Die Albertina ist seit 1999 auch im Besitze einer anderen Aufnahme von Ettinghausen, der ältesten erhaltenen fotografischen Ansicht Wiens. Die Daguerreotypie wurde von Prof. Rudolf Skopec im Schloss Königswart, dessen ehemaliger Besitzer Fürsten Metternich war, gefunden.
Die Metallplatte (16 x 21 cm) zeigt das Bild des Durchschnitts durch den Stängel einer Clematis und wurde am 4. März 1840 - ein Jahr nach der Vorstellung der Daguerrotypie durch L.J.M. Daguerre im Sommer 1839 in Paris - vom österreichischen Physiker und Chemiker Andreas von Ettingshausen (1796-1878) durch ein Mikroskop gemacht. Das außergewöhnlich gut erhaltene Bild des Durchschnitts durch den Stängel einer Clematis (Waldrebe) ist eines der ältesten erhaltenen Lichtbilder weltweit. Die Aufnahme durch das Gasmikroskop dauerte fünf Minuten und zeigt den Pflanzendurchschnitt in 14-facher Vergrößerung. Datiert, signiert und mit einer Erklärung des Versuchs versehen, stellt das Werk eine der Inkunabeln der wissenschaftlichen Fotografie überhaupt dar.
Die Angst der Vedutenmaler. Solche Daguerreotypien begeisterten das Publikum durch die detailreiche Naturtreue, sie waren aber Einzelstücke und nicht reproduzierbar. Diese Technik hatte der Franzose L.J.M. Daguerre 1839 in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt. Von Ettingshausen war bei dieser offiziellen Einführung der Erfindung auf Kosten des österreichischen Staates anwesend und hatte bei Daguerre selbst die ersten fotografischen Versuche angestellt. Der Coblenzer Anzeiger berichtete davon und von der Angst der Maler vor der Konkurrenz durch diese technische Neuerung am 13. September unter "Nachricht aus Wien vom 31. August 1839 über Erfindung Daguerres": "Unser der gelehrten Welt bekannte Physiker Professor von Ettingshausen ... schreibt an seine hiesigen Freunde mit Begeisterung über die Entdeckung Daguerre's, mit welchem er in nahe Berührung getreten ist ... Auch er scheint die vielfach ausgesprochene Ansicht zu theilen, dass diese Entdeckung der Wissenschaft, und namentlich der Optik, mehr als der Kunst zum Nutzen gereichen werde. Unsere Vedutenmaler, deren wir hier (Wien) eine große Zahl besitzen, athmen wieder auf, seit durch die Enthüllungen Arago's bekannt geworden, dass das Verfahren, um ein deutliches Lichtgemälde zu gewinnen, doch nicht so einfach und leicht sey, als man sich vorgestellt hatte ...".

An Fürst und Staatskanzler Metternich schrieb er am 16. September 1839 "in unnachahmlicher Treue", "dass er die ersten Bilder Daguerres gesehen habe" und bald nach dem 19. August schaffte er "auf Daguerre's Anrathen den Apparat an und machte unter Daguerre's persönlicher Anleitung die ersten Versuche damit, nahm eine Ansicht des Louvre auf und sandte den Apparat nach Wien; das Objektiv behielt er jedoch bei sich. Er ging nach den Johannisberg wo er eine zweite Aufnahme machte; diese Bilder machten damals in Wien großes Aufsehen. Später nahm er noch mehrere Architekturgegenstände auf. ... " Am 2. Oktober 1839 machte er unter den Augen des Fürsten weitere Versuche, die Zeitungen berichteten: "Eine unter den Augen des Fürsten selbst durch den Künstler (sic!) aufgenommene Ansicht des inneren Schlosshofes gerieth über alle Erwartung. Der Effekt dieses Bildes war höchst täuschend und die Zeichnung überraschend treu bis in die kleinsten Details. Auf der kleinen Platte in der Größe eines gewöhnlichen Octav-Blattes sah man sogar die Spuren der Räder im Kies, und die Huftritte der Pferde. ..."; "die Ansichten des Schlosses Johannisberg wurden auf Metternichs Geheiß am 22. November 1839 in Wien im Physik-Hörsaal der k.k. Universität ausgestellt"
Innovationsschub. Andreas Ettingshausen, Professor für Physik an der Wiener Universität, begann also sofort Forschungen über Nutzung und Verbesserung in Angriff zu nehmen. Er erkannte sofort, dass die eigentliche Schwäche in der minderwertigen Leistung der Linse, einem simplen Achromaten von 380 mm Brennweite und Lichtstärke 17 – lag. So wandte er sich in Wien an Dr. Josef von Petzval, Professor für Physik und Mathematik am k.k. Polytechnischen Institut in Wien, um ihn für sein neues Vorhaben - die wissenschaftlich-mathematische Berechnung eines Linsensystems - zu gewinnen. Die Berechnung die Petzval in völlig neue Gebiete der Optik führten, dauerten mehrere Monate und waren Anfang 1840 abgeschlossen, Die Belichtungszeit betrug damit statt 15 Minuten 45 Sekunden, und damit stand der Fotografie von da an ein völliges Neuland offen.
:::Freiklick:::>   Die Erfindung der Fotografie
Dies Berechnungen Petzvals für ein lichtstarkes Objektiv führten zur Gründung der Firma Voigtländer und zu den entsprechenden Tätigkeiten der Hof- und Staatsdruckerei sowie der späteren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt und nicht zu letzt zu dem grundlegenden Schritt der fotografischen Druckverfahren durch den Professor der Anatomie Joseph Berres. Dieser hatte 1831 die Lehrkanzel für Anatomie übernommen und die in Wien bis dahin noch ganz vernachlässigte mikroskopische Forschung auf ein hohes Niveau gebracht. 1840 versuchte er, geätzte Daguerreotypien für den Handpressendruck anzufertigen. Die wenigen, aber eindrucksvollen Blätter gehören zu den größten Seltenheiten, da sie neben J. Nicéphore Niepces Heliographien von 1826 die frühesten photomechanischen Drucke darstellen. 1854 erfand der Österreicher Paul Pretsch die Photogalvanographie, mittels eines Quellreliefs gelang es ihm, Halbtondruckformen für Hoch- und Tiefdruck erfolgreich herzustellen.
Open Source. Die neue Technologie der Fotografie zeitigte bereits am 15. Februar 1839 auch parlamentarisches Interesse. Eine Fraktion soll gefordert haben, die Erfindung der Fotografie durch den Staat ankaufen zu lassen und das Verfahren der Öffentlichkeit zu übergeben. Jedenfalls geriet die Erfindung der Fotografie zu Zeiten Daguerre's plötzlich auch zu einem nationalen Wettlauf. Kein Wunder, war es doch auch die Zeit des Erwachens nationaler Bestrebungen. Jedenfalls präsentierte die französische Akademie der Wissenschaften am 19. August 1839 offiziell die Erfindung der Fotografie; sie verkündet, dass es Niépce und Daguerre gelungen sei, dauerhafte Bilder mit Hilfe der Camera Obscura aufzuzeichnen. Der Franzose Daguerre wird als Erfinder der Fotografie gefeiert. Die Ergebnisse seiner Arbeit bezeichnet man als Daguerreotypien (Silberplatten-Technik). Die französische Regierung hatte gegen eine Leibrente die Rechte erworben und die Fotografie für alle Welt zur Open Source erklärt. Der damit ausgelöste Technologieschub könnte eigentlich heute Vorbild für die europäischen Regierungen sein, die ja an Wachstumsproblemen ihrer Volkswirtschaften rezeptlos kauen.

Jedenfalls war diese Technologie das erste brauchbare Verfahren, das eine rasche Fortentwicklung erfahren sollte, auch wenn die deutsche Vossische Zeitung im nationalen Eifer noch am 28. August 1839 die Fotografie als "französische Windbeutelei" bezeichnete. Die österreichische Regierung zeigte jedenfalls sehr rasch Interesse daran und entsandte nicht nur Andreas von Ettingshausen zum Studium und Erkundung nach Paris sondern unterstütze auch seine Forschungsarbeit. Dies führte zu einer raschen Verbreitung und Weiterentwicklung der Fotografie auch in Österreich. Die Brüder Josef und August Natterer entwickelten schon 1841 die Daguerreotypie zum Sekundenbild weiter.
:::Freiklick:::>   Albertina
Freiherr Andreas von Ettingshausen. (* 25. 11. 1796 Heidelberg , † 25. 5. 1878 Wien) Physiker und Mathematiker, studierte in Wien Philosophie und die Rechte, besuchte auch, da er für die militärische Laufbahn bestimmt war, die Bombardierschule, war 1819 Professor der Physik in Innsbruck und 1821 Professor der höhern Mathematik in Wien. Seine damaligen Vorlesungen (Wien 1827, 2 Bde.) bezeichnen eine neue Epoche der Wiener Universität. 1834 übernahm er die Lehrkanzel der Physik, 1839 Teilnahme an der Sitzung an der Akademie in Paris, bei der die Erfindung der Fotografie veröffentlicht wurde, Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien ab 14. Mai 1847, Generalsekretär und Sekretär der der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe ab 29. Juni 1847, beide Funktionen erfüllte er bis 4. Mai 1850, 1848 trat er zur Ingenieurakademie über und lehrte an derselben vier Jahre bis zu ihrer Umwandlung in eine rein militärische Genieschule. 1852 hielt er einen Kursus über höhere Ingenieurwissenschaft am Polytechnischen Institut, und in demselben Jahr übernahm er die Direktion des Physikalischen Instituts an der Universität, aus dem unter seiner Leitung eine große Zahl Untersuchungen hervorging. 1866 trat er in den Ruhestand, und gleichzeitig wurde ihm der Freiherrntitel verliehen. Mehrere Jahre fungierte er als erster Generalsekretär der Wiener Akademie, an deren Errichtung er bedeutenden Anteil hatte. Er konstruierte eine magnetelektrische Maschine als einer der ersten, welche die elektrische Induktion zur Stromgewinnung verwerteten, förderte auch die Optik und schrieb ein Lehrbuch der Physik (Wien 1844, 4. Aufl. 1860), das auf die Methode des physikalischen Unterrichts großen Einfluss geübt hat.

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Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 3. März 2009 )
 
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